Für die Stromerzeugung werden die Dörfer Graun und Reschen (teilweise) und die uralten Weiler von Arlund, Piz, Gorf und Stockerhöfe (St. Valentin) unter Wasser gesetzt und ausgelöscht.

Es entsteht ein riesiger Stausee mit 677 ha, welcher eine fast tausendjährige Besiedelungsgeschichte und eine einmalige Kultur- und Naturlandschaft, der Hochebene am Reschenpass, mit Gewalt vernichtet.

Im Jahr 1939 wurde das erste italienische Projekt aus dem Jahr 1920 zur Aufstauung der Naturseen (Reschen- und Mittersee) um 5 m durch die damals faschistische Regierung auf 22 Meter (+ 17 Meter) abgeändert. Dies geschah, ohne jegliche Information der Bevölkerung und ohne jegliche, rechtliche bzw. ökologische Prüfung.

Die Einwohner wurden im 'nationalen Interesse zur Stärkung der nationalen Industrie' zwangsenteignet, ohne Recht auf Realersatz und zur Aus- oder Umsiedlung gezwungen.

Der Zweite Weltkrieg verzögerte die Bauarbeiten. Finanzierungsschwierigkeiten der Betreibergesellschaft nach Kriegsende wurden von Schweizer Kapitalgebern aufgegangen. 1949 musst der erste Winterstrom als Kapitalrückzahlung in die Schweiz geliefert werden.

Südtirol und die betroffenen Gemeinden waren machtlos. Wegen des faschistischen Regimes hatten die Gemeinden von 1923 - 1952 keine gewählten Volksvertreter (Gemeinderat - Bürgermeister). Das Land Südtirol hat erst 1948 eine gewählte Landesregierung.

Im Sommer 1950 waren die gesamten Gebäude gesprengt und überflutet, die Bewohner entweder zwangsausgewandert, oder für 2 Jahre in ein Barackendorf umgesiedelt. Der romanische Turm aus dem 14. Jahrhundert wurde aus denkmalschützenden Grünen stehen gelassen.

In den Jahren nach 1973 hat die Südtiroler Landesregierung umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Ca. 35 ha Kulturfläche sind mit Material aus dem Stausee zurück gewonnen worden.

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Siehe auch Zeitungsartikel

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