Unsere Reise begann eigentlich schon am 21. Juni. An diesem Tag fuhren wir von unserem Wohnort im Taunus über Frankfurt/Main nach Berlin, wo wir bis Sonntag, 24. Juni, blieben.

Deutschland

Unseren Reisebericht beginnen wir am 24. Juni, an dem wir Abfahrtsschild mit dem Moskva-Express von Berlin-Lichtenberg nach Moskau fuhren.
Der Zug ist nicht nur bis auf den letzten Platz besetzt, sondern die Reisenden (zumeist Russen) haben viele Gepäckstücke dabei (Koffer und Taschen, Fernseher und vieles andere mehr - ganze Küchenbuffets haben wir allerdings nicht gesehen). Auch unser Genosse im Abteil hat 2 große Koffer und mehrere Taschen dabei. Es ist eine Herausforderung, unser Gepäck noch unterzubringen. Der Zug hat keinen Speisewagen, also wollen wir im Bahnhof Lichtenberg noch Reiseproviant besorgen. Zu unserem Erstaunen gibt es aber nur belegte Baguettes, Bretzeln und Croissants. Na ja, besser als gar nichts.

Schaffner

Die Fahrt geht durch Polen mit Stopps in

Polen

Als wir uns zum Schlafen bereit machen wollen, bringt der russische Schaffner Zollformulare, 2 für jeden von uns. Unsere Überraschung ist groß: die Formulare sind in russisch, wir verstehen kein Wort. Die Erläuterungen des Schaffners in fast nicht vorhandenem Englisch helfen auch nicht entscheidend weiter. Wir verstehen aber, daß er keine englischen Formulare mehr hat. Die Rettung naht in Form von 2 Mädchen, die in Berlin leben und gut deutsch sprechen. Eine Kuriosität: Die Geld-Beträgen, die wir mitführen, müssen wir in Zahlen und in Worten aufführen. In welcher Sprache? Egal. Unsere ausgefüllten Formulare sehen aus, als ob Hühner übers Papier gelaufen wären: durchgestrichen, ausgebessert, nochmal drübergeschrieben. Ob das der Zoll akzeptiert? Später stellt sich heraus: er akzeptiert.

Endlich kommen wir ins Bett und erhoffen eine relativ ungestörte Nachtruhe. Damit wird es aber nichts: Bei Terespol überqueren wir um 3:00 Uhr die Grenze zu Weißrussland, natürlich mit Grenzkontrolle durch die polnischen Grenzbeamten und eine erste Kontrolle durch die russischen Grenzbeamten. Es geht aber überraschend schnell. Anschließend versuchen wir wieder zu schlafen. Allerdings nur kurz: Um 5:00 Uhr erreichen wir Brest. Die russische Grenzkontrolle kommt erneut. Die Pässe werden eingesammelt und weggebracht (können wir überhaupt nicht leiden, fühlen uns wie nackt). Die Kontrolleure (besonders eine Frau) sind arrogant, sprechen natürlich keine Fremdsprache. Wir müssen aus dem Abteil, das dann genau untersucht wird. Es ist nicht erlaubt, den Platz vor dem Abteil zu verlassen. Endlich (gegen 7:00 Uhr) ist es überstanden. Hier kann man noch das alte Sowjetunion in Reinkultur erleben.

Russland hat eine andere Spurweite als Deutschland und Polen. Deshalb müssen die Fahrgestelle gewechselt werden. Die Waggons werden entkoppelt und in eine Halle geschoben. Die Fahrgestelle werden mit hammerähnlichen Werkzeugen gelockert. Der Waggon wird mit einer Hebevorrichtung (ohne das Fahrgestell) gehoben. Dazu stehen links und rechts des Waggons senkrechte "Stangen" aus denen waagerechte "Arme" rausragen. Die werden unter die Waggons geschoben und mittels einer Zahnstange wird der Waggon angehoben. Die alten Fahrgestelle werden weggerollt, die neuen unter den Waggon geschoben. Die Waggons werden abgesenkt und alles wird wieder befestigt.

Die Arbeiter tragen keine Helme, dafür aber Turnschuhe. Nicht auszudenken, wie das bei einem Unfall aussieht.

Die Fahrt geht in Weißrußland weiter mit Halt in

Weißrussland

Wir sehen unterwegs Rehe, Störche und viel Landschaft, viel Wald (Weißbirken !) und dazwischen Dörfer. In Orscha steigt Bärbel aus dem Zug, es ist wunderbar warm.

Hinter Orscha erreichen wir die russische Grenze. Auf der russischen Seite geht es weiter über

Belorus - Moskau

Smolensk nach Moskau, das wir am späten Abend im Bahnhof Beloruskaja (Weißrussischer Bahnhof) erreichen.

Wir werden vom ältesten Sohn unserer Gastfamilie, Alexej, abgeholt und in den Norden Moskaus zu unserer Gastfamilie Nina und Alexej gebracht. Die Wohnung liegt in einem Hochhaus (18 Etagen) im 6. Stock. Der Eingang zum Hochhaus sieht aus, als ob er in einen Keller führt. Aber nachdem Alexej mit einem Teil unseres Gepäckes darin verschwunden ist, gehen wir halt auch rein. Auf jeder Etage sind 4 Wohnungen. Was uns hier auffällt und sich in ganz Russland bestätigt: die Wohnungen sind unglaublich gesichert: 2 Eingangstüren und mindestens 3 - 4 Schlösser.

Wir sehen nicht die ganze Wohnung, nur "unser" Zimmer, Bad und WC sowie die Küche. Es wirkt wie bei uns nach dem Krieg, man hat aus allem das Beste gemacht: Überall Regale mit Vorhängen drumrum, auf dem Boden Linoleum, an den Wänden abwaschbare Tapeten. In der Wohnung stehen etliche Kühlschränke, es wird wohl immer noch gekauft und aufbewahrt, wenn es irgendwo etwas günstig gibt. Die Waschmaschine ist dagegen von Bosch.

An diesem Abend gehen wir hungrig ins Bett. Die Gastfamilie ist nur für die Übernachtung und das Frühstück zuständig. Wir haben keine Rubel, man darf ja keine einführen und die Wechselstuben schließen um 18:00 Uhr. Also kein Restaurantbesuch. Dafür macht uns Nina am nächsten Tag, bevor wir in die Datscha fahren, ein exzellentes Frühstück.

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