'Schadrinsk'

Die Provinzstadt Schadrinsk liegt am Fluss Isset, hat ca. 90.000 Einwohner und wurde 1662 gegründet. Shadrinsk liegt inmitten von fruchtbaren und wildreichen Ländereien und war einst wichtigster Knotenpunkt am Handelsweg zwischen dem Ural und den Bewohnern der sibirischen Steppe.

Rathaus

Stadtansicht

baumgesäumte Straße

In Schadrinsk gibt es noch viele Holzhäuser, größtenteils aus Baumstämmen. In die Zwischenräume ist Moos gestopft. So halten sie auch bei -40 Grad warm. Allerdings ist vieles in schlechtem Zustand, weil die Leute kein Geld haben. Schade, die Erbauer haben sich viel Mühe damit gemacht. An vielen Häusern sehen wir blaue Fensterläden. Sie sind blau, um böse Geister abzuwehren. Oftmals sind die Simse über den Fenstern kunstvoll geschnitzt.

altes Holzhaus

Eine Besonderheit fällt uns auf: Wasserzapfstellen im Freien. Nadja, unsere Gastgeberin und Reiseführerin sagt uns, daß diese auch im Winter bei -40 Grad nicht einfrieren. Sie kennt aber das Prinzip nicht. Offensichtlich ist dies eine jahrhundertalte Technik.

Wir besuchen eine alte Kirche am Ortsrand. Sie war nur kurze Zeit geschlossen. Der Friedhof um die Kirche ist sehr interessant. Während der Zeit, als die Kirche in Russland verfolgt wurde, wirkte hier ein Priester, der im Geheimen Taufen, Hochzeiten usw. vornahm. Er starb 1982. Die Gläubigen von Schadrinsk sammelten für einen Grabstein aus Marmor, der nun hier steht. Hier fällt uns zum ersten Mal die tiefe Gläubigkeit auf.

Schadrinsk Brunnen

Außerhalb Schadrinsk gibt es eine Gedenkstätte für deutsche Frauen und Mädchen. Zwischen 1945 und 1948 waren diese hier in einem Internierungslager. Sie mußten in Erdhöhlen hausen. Viele starben und sind hier in einem Massengrab beerdigt. Von dem Gedenkstein soll eine Kopie in Berlin aufgestellt werden, so daß Überlebende, die ja schon betagt sind, die Gelegenheit haben, sich dort zu erinnern. In den Erdhöhlen hausten vorher Schadrinsker Männer, die zu einem Sturmtrupp zusammengestellt waren. Es kam keiner wieder.

In der Nähe der Gedenkstätte ist ein Ort, an dem in grauer Vorzeit Skythen lebten. Heute ist hier eine Figur aufgestellt. Sie ist 3-geteilt und symbolisiert

Schadrinsk Figur

Die Figur ist mit bunten Bändern geschmückt, auch an den umstehenden Bäumen hängen bunte Bänder. Menschen bringen sie hier an, in der Hoffnung, daß ihre Wünsche in Erfüllung gehen.

Die älteste Kirche von Schadrinsk war 70 Jahre geschlossen und wurde als Lager und Remise benutzt. Vor 10 Jahren wurde sie an die Gläubigen zurückgegeben. Sie war in einem ähnlich schlechten Zustand wie die Kirche in

Kresty, wurde aber inzwischen völlig renoviert. Sie hat viele, zum Teil sehr alte Ikonen. Die Kirche speist als einzige in Schadrinsk die Armen und Obdachlosen.

älteste Kirche in Schadrinsk

1765