In Rußland gab es vor der Revolution unzählig viele Kirchen, reich geschmückt, mit wunderschönen Ikonen.

Vor allem während der Stalinzeit wurden viele der Kirchen und Klöster zerstört. Zum Teil bis heute werden die nicht zerstörten Kirchen als Lager, Remisen, in glücklicheren Fällen als Museen, genutzt. Priester mußten im Untergrund leben und waren immer von Strafen bedroht. Mönche und Nonnen nahmen weltliche Berufe an. Ikonen und andere kirchliche Kunstgegenstände wurden in Kellern und Scheunen versteckt. Religiöse Verrichtungen wie Taufen, Hochzeiten usw. waren verboten und wurden nur im Geheimen durchgeführt. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb blieb der Glaube in Rußland erhalten und wird heute wieder verstärkt gelebt.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion änderte sich das Klima. Die Kirchen, soweit noch vorhanden, wurden den Gläubigen zurückgegeben. Es begann die Restaurierung oder der Wiederaufbau. Staatliche oder kommunale Zuschüsse gibt es nur spärlich und dann nur für Kirchen in den Städten. Überwiegend wird die Restaurierung durch private Spenden finanziert.

Ein besonderes trauriges Beispiel ist das ehemalige Kloster von Kresty, das wir am 1. Juli 2001 besuchten. Es liegt in der Nähe von Schadrinsk, einer Provinzstadt mit 90.000 Einwohnern hinter dem Ural, an der Grenze zwischen Europa und Asien.

Einstmals war Kresty ein blühendes Handelszentrum. Aber schon durch den Bau der Transsibirischen Eisenbahn, die südlich von Kresty verläuft, verlor der Ort an Bedeutung. Während der Sowjetzeit wurden die Häuser des Klosters abgerissen, die Kirche als Lager benutzt.

Heute leben hier wieder drei Nonnen. Als sie kamen, war kein Haus vorhanden, in dem sie wohnen konnten. So bauten sie eine Blockhütte als Kloster, legten einen Gemüsegarten an. Die Nonnen ernähren sich nur von dem, was sie in ihrem Garten ernten. Wenn sie etwas übrig haben, geben sie es an Waisen- und Altenheime.

Wir besichtigten die Kirche. Der Anblick ist erschütternd: Das Dach ist vollkommen verschwunden. In der Kuppel des Turmes fehlen Elemente, man sieht durch die Kuppel den Himmel. Der Boden fehlt, es sind nur noch einige Bohlen vorhanden. Der Verputz ist völlig abgefallen. Es ist erstaunlich, daß im Inneren noch einige wenige Reste von Wandmalereien erhalten sind.

Kirche

(Video siehe weiter unten)

Die treibende Kraft für den Wiederaufbau ist die Äbtissin. Sie ist 66 Jahre alt und bei unserem Besuch gerade aus dem Krankenhaus nach einer Operation entlassen worden. Während der Sowjetzeit war sie als Buchhalterin tätig, jetzt kann sie ihrer eigentlichen Berufung nachgehen.

Ihr Optimismus und ihr Elan sind bewundernswert. Sie empfängt uns sehr freundlich, zeigt uns die geretteten Ikonen, erzählt uns von der schwierigen Aufbauarbeit.

Äbtissin

(Video siehe weiter unten)

Die Äbtissin will die Kirche retten. Das Wichtigste ist, das Dach auf die Kirche zu bringen, um den Verfall zu stoppen. Die Äbtissin ist auf private Spenden angewiesen, vom Staat oder der Kommune bekommt sie keine Unterstützung. Sie hätte gerne Nähmaschinen, um mit Nähen Geld für die Renovierung zu verdienen. Ihr Vertrauen in Gott und seine Hilfe ist unerschütterlich.

Als wir nach der Besichtigung der Kirche in das Blockhaus zurückkommen, hat die Äbtissin für uns Tee vorbereitet. Auf dem Tisch stehen Plätzchen und Walderdbeeren. Eine Nonne hat die Erdbeeren im Wald gesammelt (von morgens 5:00 Uhr bis Mittags), als Essen für die Nonnen während der gerade stattfindenden Fastenzeit. Wir sind gerührt, von dieser Gastfreundschaft. Sie haben kaum genug zum Leben und teilen dies noch mit Fremden.

Wir sind so beeindruckt, von der Tatkraft und der Freundlichkeit dieser Menschen, daß wir beschließen, Geld zu spenden und auch unsere Freunde und Bekannte zu bitten, der Äbtissin zu helfen (die Äbtissin weiß davon nichts). Auch die kleinste Spende hilft, da die Kaufkraft einer D-Mark oder eines Euros in Kresty um ein Vielfaches höher ist als in Deutschland. So wurde das bisher Geschaffene überwiegend durch eine Spende von US-$ 600 einer amerikanischen Kirchenorganisation und vor allem durch Eigenleistung bewerkstelligt.

Einige Zeit später....
Die Spenden, die wir erhalten haben, haben wir über Mittelsmänner der Kirche zukommen lassen.

Einen Bericht über die mit dem Geld durchgeführten Arbeiten finden Sie hier.

Die Spenderliste kann hier eingesehen werden.

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