Das Naadam-Fest (übersetzt: 3 Spiele der Männer) ist ein beeindruckendes und auch das wichtigste Fest der Mongolen. Es findet jedes Jahr vom 11. bis 13. Juli statt.

Seine Wurzeln gehen zurück bis in die Zeit der Alttürken oder gar Hunnen. Spätestens unter Dschingis-Khan und seinen Nachfolgern wandelte es sich dann zur Wehrertüchtigung für die Krieger des Kaisers.

Im Kern besteht das Fest aus drei Veranstaltungen, dem Reiten, Ringen und Bogenschießen.

Pferderennen

Beim Pferderennen jagen bisweilen mehrere Hundert Pferde gleichzeitig über die Steppe. Auch die große Masse der Zuschauer geht natürlich nicht, wie es die ausländischen Besucher tun, zu Fuß, sondern verfolgt den Einlauf hoch zu Roß. Gestartet wird in der Steppe je nach Altersklasse der Pferde in 12 bis 35 km Entfernung vom Ziel. Unterschieden werden die Altersklassen vom Zweijährigen bis Sechsjährigen. Tiere, die älter als sechs Jahre sind, starten in einer Gruppe. Den Höhepunkt bildet das Rennen der Hengste. Ansonsten werden nur Wallache geritten; Stuten starten nicht. Die Jockeys sind Kinder zwischen 6 und 12 Jahren, darunter viele Mädchen.

Mädchen als Jockey

Oftmals benutzen sie nicht einmal einen Sattel. Die ersten fünf Pferde werden nach Erreichen des Ziels ausgezeichnet. Der Ruhm der Sieger fällt allerdings in erster Linie auf den Züchter und auf das Pferd. Erfolgreiche Pferde werden zu Traumpreisen gehandelt und stellen einen großen Reichtum dar. Die Zucht und das Training der Tiere sind eine Wissenschaft für sich, in der sich die über Jahrhunderte gesammelten Erfahrungen der Nomaden und der Krieger erhalten haben.

Unser Gastgeber in der Steppe (siehe bei den Nomaden) hatte ein Pferd, das bei einem Naadam-Rennen gewonnen hatte.

Aus zeitlichen Gründen konnten wir das Pferderennen nicht verfolgen. Wir hatten aber Gelegenheit, das Gebiet außerhalb Ulaan Baatars zu besuchen, in dem die Nomaden, die am Pferderennen teilnahmen, mit ihren Pferden lagerten.

Lager

..'für Speis' und Trank ist gesorgt'..

'Airak' und Gebäck

Eine ganze Reihe von Jockeys bereiteten die Pferde auf das Rennen vor, indem sie mit ihnen im Kreise ritten und dabei eine einfache Melodie sangen.

Vorbereitung auf das Rennen

Bogenschießen

Beim Bogenschießen werden traditionell hergestellte Bögen sowie Holzpfeile mit abgerundeten Spitzen verwendet.

Bogenschützen

Gezielt wird nicht auf Scheiben, sondern auf auf dem Boden stehende Ziele aus Leder in der Dimension einer Coladose. Sie stehen für Frauen und Männer in unterschiedlich großer Entfernung.

Das Treffergebnis zeigen neben den Zielen stehende Kampfrichter an, indem sie in einer bestimmten Art zu hüpfen anfangen und einen Sing-Sang von sich geben.

getroffen

Kampfrichterin

Ringkampf

Ringkämpfer

Das Ringen, das über 3 Tage in einem Stadion läuft, konnten wir aus zeitlichen Gründen nur kurz live sehen. Bei unserer Gastfamilie lief aber den ganzen Tag der Fernseher mit der Übertragung der Ringkämpfe.

Am Ringen nehmen 512 bzw. 1024 Kämpfer teil. Die eigenartige Teilnehmerzahl kommt dadurch zustande, daß der Wettkampf streng nach dem K.O.-System abläuft, sich die Zahl der Ringer also mit jeder Runde halbiert, bis nur noch zwei zur Endrunde übrig bleiben.

Die Regeln sind denkbar einfach: Verloren hat der, der mit einem anderen Körperteil als mit seinen Schuhsohlen die Erde berührt. Der Kampf ist zeitlich nicht begrenzt. Es hat wiederholt Fälle gegeben, daß der Endkampf sich über vier und mehr Stunden hinzog, so daß alle Termine der Zuschauer, ja selbst Staatsempfänge verschoben werden mußten.

Die Wettkampfkleidung sind aus sehr reißfestem Material gefertigte sehr kurze Hosen (sie erinnern an Badehosen) und ein an der Brust offenes kurzes Jäckchen. Der Sage nach hatte die Jacke früher einen geschlossenen Schnitt. Eines Tages soll aber ein bis dahin unbekannter Ringer angetreten sein, der alle namhaften Rivalen schlug. Wie sich später herausstellte, soll dies eine Frau gewesen sein. Nach diesem peinlichen Vorfall sei die Jackenform in der heute üblichen Weise verändert worden.

Wenn die Ringer den Wettkampfplatz betreten, tun sie dies mit auffälligen Bewegungen, um den Flug eines mächtigen Adlers darzustellen. Sie halten die Arme ausgestreckt und bewegen den Körper auf und ab. Ringen ist in der Mongolei unbestritten Nationatsport Nr. 1 und findet im privaten Rahmen auch zu zahlreichen anderen Anlässen statt. An Tagen, an denen ein Ringkampf läuft, sind die Straßen und Plätze wie leergefegt, weil alle mongolischen Männer und nicht wenige Frauen dem Ereignis am Bildschirm oder am Radioapparat folgen. Der Sieger erhält einen Preis in Form von Geld oder Vieh. Auch Titel werden vergeben. Es gibt den Titel Falke, Elefant und Löwe. Am begehrtesten und angesehensten ist der Titel Titan.

Der Verlierer eines Ringkampfes muß nach dem Kampf unter den Armen (Schwingen) des Siegers hindurch gehen, um so seinen Respekt zu zeigen.

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